Dr. Gabriel's Kernbotschaft

Als Absolvent und ehemaliger Dozent der Al-Azhar Universität in Kairo kenne ich die islamische  Mainstreamlehre in- und auswendig. Für viele Jahre habe ich Bücher geschrieben und Lehrvorträge gehalten, um vor allem in westlichen Ländern über die islamische Lehre zu informieren, die von Al-Azhar als der ältesten, berühmtesten und einflussreichsten islamischen Bildungsstätte vertretenen wird.


In westlichen Gesellschaften, wo sich das Gerücht 'Islam' beudeute 'Frieden' hartnäckig hielt, und wo viele der Ansicht waren, Allah und der Gott der Bibel seien ein und derselbe,  sah ich die dringende Notwendigkeit, ein besseres Vertständnis des Islam zu vermitteln. In meinem Buch 'Islam und Terrorismus', dass kurz nach dem 11. September veröffentlich wurde, habe ich beispielsweise dargelegt, dass der Islam tatsächlich zum Jihad aufruft.

Ich sah eine dringede Notwendigkeit in westlichen Ländern über die Lehren des Islam aufzuklären, die mit Demokratie und Menschenrechten unvereinbar sind.

Heute, in einer Zeit wo ISIS und ähnliche radikalislamische Gruppierungen die ganze Welt in Angst und Schrecken halten, fragen die Menschen kaum noch, ob 'Islam' wirklich 'Frieden' bedeutet. Sie wollen vielmehr wissen, ob und inwieweit die Ideologie radikalislamischer Gruppierungen wirklich im Islam zu finden sind. Die Antwort ist, dass die meisten der von ISIS praktizierten Gräueltaten tatsächlich auf irgendwelche(!) islamische Schriften gegründet sind. Sogar als ISIS so weit ging Gefangene zu verbrennen, hatten sie eine Rechtsgrundlage für ihr Handeln vorzuweisen, nämlich die Schriften gewisser Islamgelehrter. Allerdings sind viele Schriften und Rechtsprüche der Islamgelehrten auf sogenannte ‘schwache’ Hadithen basiert und auf die persönlichen Meinungen und Interprätationen der Gelehrten. Folglich sind sie nicht unfehlbar.

Da die Islamische Rechtsordnung sehr viele Regelungen enthält, die auf den persönlichen Meinungen und Interprätationen der Islamgelehrten und auf umstrittenen Hadithen basieren, ist es äußerst wichtig, zwischen der Scharia und der Islamische Rechtsordnung zu unterscheiden. Denn die Scharia gilt als heilig, von Allah gegeben und daher unumstößlich. In der öffentlichen Debatte wird der Begriff Scharia allerdings meistens fälschlicherweise verwendet, wenn eigentlich von der Islamischen Rechtsordnung die Rede ist. So kommt es, dass letzlich menschengemachte Anordnungen fälschlicherweise als Wille Allah’s behandelt werden.

Es is wichtig, zwischen der Scharia und der Islamischen Rechtsordnung zu unterscheiden.

Während der vergangenen Jahre meiner wissenschaftlichen Recherche auf der Suche nach einer Lösung für den Konflikt des islamischen Rechts mit international anerkannten Menschenrechten konnte ich feststellen, dass ein Großteil der problematischsten islamsichen Lehren, wie zum Beispiel die Todesstrafe für Abwendung vom Islam oder die Steinigung als Strafe für Ehebruch, die weithin als heilige Gebote Allah’s angesehen werden, in Wahrheit nur auf umstrittenen (‚schwachen‘) Hadithen basieren und dem Koran sogar widersprechen.  

In meiner kürzlich abgeschlossenen Studie über das islamische Strafrecht habe ich nachgewiesen, dass es islamisch-rechtlich völlig legitim ist, das islamische Strafrecht zu reformieren (/zu 'erneuern'), und dass es sogar möglich ist es mit den internationalen  Menschenrechtsstandards in Einklang zu bringen.

Der neue Fokus meiner Arbeit liegt daher darauf, alle Moslems zu ermutigen und aufzufordern, die problematischen Teile der islamischen Lehre, vor allem des islamischen Strafrechts, nicht in blindem Gehorsam als heilig und richtig anzuerkennen, sondern selbst zu überprüfen, was der Koran und die korrekte Sunna wirklich lehrt.

Ich möche alle Moslems ermutigen, sich an die friedlichen Lehren aus der frühen Zeit des Propheten Mohammed zu halten. Diese beinhalten beispielsweise das Recht auf Religionsfreiheit.

Ich konnte belegen, dass es möglich und legitim ist, das islamische Strafrecht zu reformieren und mit Menschenrechten in Einklang zu bringen.

Mein Appell an alle nicht-Moslems, an Regierungen wie auch an gewöhnliche Leute, bleibt ein Aufruf zwischen dem Islam als Ideologie und Moslems als Menschen zu unterscheiden. Darüberhinaus betone ich nach wie vor, dass man nie alle Moslems über einen Kamm scheren darf.

Auch wenn wir mit radikalen Moslems ein Problem haben und mit den islamischen Lehren, die zu Gewalt aufrufen, so sollten wir deswegen nicht all den friedlichen und friedliebenden Moslems mit Ablehnung begegnen.

Es wird für beide Seiten hilfreicher sein, wenn wir uns auf unsere Gemeinsamkeiten konzentrieren, vor allem auf unsere gemeinsame Werte. Als ‚gewöhnliche Leute‘ sollten wir alles daran setzen, in Frieden und gegenseitigem Respekt zusammenzuleben Besser, als die Finsternis zu verfluchen, ist es, eine Kerze anzuzünden. 

Heute träume ich davon, die Islamische Rechtsordnung reformiert zu sehen.

Mein Appell an die Regierungen aller Länder ist es, den Schutz der Menschenrechte zu fördern und jeglichen Versuch moderater Moslems, die islamische Rechtsordnung zu reformieren, zu unterstützen.

Besser als die Finsternis zu verfluchen, ist es, eine Kerze anzuzünde.

© 2019 by Dr. Mark A. Gabriel